Donnerstag, 18. Dezember 2014

To Blog or not to blog – Wird bloggen überbewertet?


Nach über drei Monaten studieren, schwitzen, Marzili-Stutz-Steigen (gilt für mich glücklicherweise weniger) und natürlich eifrigem bloggen, möchte ich den letzten Eintrag dieses Blogs im Rahmen des IMA1 Moduls einer zentralen Frage widmen:

Wird bloggen überbewertet?



Quelle dieser Frage bin natürlich nicht ich selber, denn mir würde es schliesslich nie im Leben in den Sinn kommen, die an der BFH vermittelten Inhalte zu hinterfragen, sondern vom ehemaligen, seit Ende November 2014 seinen Ruhestand geniessenden, ehemaligen Mediensprecher des Migros-Genossenschafts-Bund, Urs Peter Naef.

Vor einigen Wochen war Herr Naef im Rahmen eines anderen BFH-Marketingmoduls als Gastsprecher eingeladen. Auf die Frage nach Blogs angesprochen erwiderte er, dass bloggen eine überbewertete Randerscheinung sei (ich kann mich leider nicht mehr genau erinnern, ob in diesem Zusammenhang auch das Wort „Seich“ gefallen war) und hat dafür sogar vereinzelt Applaus geerntet (nicht von mir, ich hinterfrage ja schliesslich nicht...).

Dieser Aussage gegenüber stehen die im Modul IMA1 gemachten Blog-Erfahrungen. Bloggen ist anstrengende, zeitaufwändige Arbeit. Gleichzeitig kann bloggen der Leserschaft und nicht zuletzt dem Autor selber ein grosses Vergnügen beim lesen bzw. schreiben bereiten.

Zielt der Blog mehr auf bloss das persönliche Vergnügen der Schreibenden und einer Handvoll Leser ab und soll sogar als unternehmenseigener Auftritt gelten, vervielfacht sich natürlich der Aufwand, während das persönliche Vergnügen abnehmen kann, wenn die Schreibenden verpflichtet sind, Inhalte zu verbreiten, für das sie nicht vollumfängliches Interesse haben.

Eine weitere Herausforderung von sowohl privaten, wie auch Corporate-Blogs stellt die Findung von Themen für eine ausreichende Auslastung des Blogs dar. Als positives Beispiel wäre hierzu der Blog des Autoherstellers Daimler zu nennen, der über so gut wie alles aus der Automobilwelt, Unternehmenskultur und darüber hinaus berichtet und dem Leser kurzweilige Unterhaltung und einen Einstieg ins Thema ermöglicht.

Ein eher weniger gelungenes Beispiel stellt der Blog des deutschen Helmherstellers Schuberth dar. Blogeinträge, die ungefähr im Vierteljahrestakt erscheinen sind natürlich vom quantitativen Gesichtspunkt her nicht ausreichend, um die Leserschaft interessiert und bei der Stange zu halten. Vielmehr wird hier der Eindruck erweckt, dass Schuberth sich für einen Blog entschieden hat, weil das alle anderen eben auch machen.

Und dieser Umstand bringt mich jetzt nun doch noch dazu, die in IMA1 vermittelten Inhalte zu hinterfragen und zu reflektieren:


Ein Blog wird nicht einfach nur geschrieben. Ein Blog muss gelebt werden. Im Unternehmen verankert sein. Und es müssen Mitarbeiter am Werk sein, die diesen Blog mit Enthusiasmus und Überzeugung verwalten und auch dafür bezahlt werden, damit sie es auch bleiben. Wenn ein Unternehmen das nicht kann oder es nicht will, dann lässt es die Sache mit dem Blog besser sein. Ansonsten ist der Blog von Anfang an dazu verdammt, auf der Unternehmenswebseite ein Nischendasein in irgendeiner Fusszeile zu fristen.

Meiner Ansicht nach wird bloggen nicht überbewertet, sofern es denn richtig und überzeugt getan wird. Über Erfolg oder Misserfolg am Markt entscheidet ein Blog aber indes nicht. Sowohl Daimler wie auch Schuberth sind mit ihren unterschiedlich bzw. so gut wie gar nicht bearbeiteten Blogs zwei überaus erfolgreiche Unternehmen.


Die Migros, gänzlich ohne „überbewerteten“ Blog, ebenfalls. 




Und weil ich mir damit soviel Mühe gemacht habe, zum Abschluss nochmal das Bild des bloggenden - oder eben nicht bloggenden - Hamlet.


Quellen: Northsealand Denmark's Royal Retreat, Migros, Google Blogger, Berner Fachhochschule, Google Plus, der Blog wo ihr drauf seid

2 Kommentare:

  1. Corporate Publishing ist keine neue Erfindung. Siehe dazu auch Wikipedia: "Der Begriff corporate publishing (CP) bzw. Unternehmensverlag bezeichnet die journalistische und periodische Unternehmenskommunikation mit eigenen Medien (Owned Media). Dabei ist die Art der Medien zunächst unerheblich. Die Wurzeln des Corporate Publishing liegen zwar traditionell bei Printprodukten wie Kundenzeitschriften, Mitarbeiterzeitschriften, Mitgliederzeitschriften und Firmenzeitungen, doch auch die immer zahlreicher werdenden TV- und Audiomedien sowie Online-Medien zählen zum Corporate Publishing – vorausgesetzt, sie sind journalistisch, also redaktionell geprägt."

    Wenn Herr Näf das Bloggen wirklich als "Seich" bezeichnet hat, dann müsste ich ihm mangelnden Überblick vorwerfen. Erinnern Sie sich an die ersten Vorlesungen. da habe ich von Content Strategien und vom Digital Marketing Mix gesprochen. Verknüpfen Sie nun all diese Aspekte und Sie werden erkennen, dass man um einen Blog nicht herum kommt. Es ist das modernste und populärste Corporate Publishing Instrument der Gegenwart. Und es macht aus dem Unternehmen auch ein Medienunternehmen. Egal in welcher Branche. Und meinen Sie bitte nicht, dass Corporate Publishing nicht Match entscheidend ist...

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    1. Danke für Ihren Kommentar zum Eintrag. Eventuell ist es in meinem Text nicht genug zur Geltung gekommen: Ich spreche mich hier für das Bloggen aus. Einfach unter der Bedingung, dass es richtig gemacht wird und sich das Unternehmen darin engagiert. Wenn Sie den verlinkten Blog von Schuberth anschauen, sollte klar sein was ich damit meine: Der letzte Eintrag war vor über einem halben Jahr. Welcher Kunde/Leser wird denn da regelmässig für Neuigkeiten vorbeischauen? Die Devise für einen Unternehmensblog sollte meiner Ansicht nach lauten „Ganz oder gar nicht.“

      Herr Naef ist nicht der einzige (Ex-) PR-Vertreter der kritisch gegenüber Blogs eingestellt ist. In der Unternehmung in der ich tätig bin, wurde das Online Corporate Publishing, und die sozialen Medien im Allgemeinen, auch lange nur belächelt (interessanterweise auch hier vor allem durch die PR-Abteilung). Und auch jetzt noch kommt die Angelegenheit nur recht langsam in Gang (aber sie kommt in Gang – zumindest etwas). Es ist gut vorstellbar, dass Herr Naef und Co. Medienvertreter der „alten Garde“ sind, die jetzt aber langsam von der neuen Generation, von für diese Thematik affineren Nachfolgern, abgelöst werden. Wir werden sehen, wie sich die Unternehmenskommunikation mit dem neuen Migros PR-Vertreter entwickelt.

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